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Risiken und Nebenwirkungen bei E 10 PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 13. Januar 2011 um 07:36 Uhr

Ab 1. Januar sollte es das neue E-10-Benzin an den Zapfsäulen geben. Doch die Umstellung könnte sich noch etwas hinziehen. Ob das eigene Auto den vorgeblich klimafreundlicheren Sprit verträgt, ist fraglich.

Suhl - Für den Menschen kann erhöhter Alkoholgenuss schädlich sein, für unser Auto kann selbst ein kleines Schlückchen schon zu viel sein. Deswegen wurde zum Jahreswechsel die höchste Alarmstufe ausgerufen: Ende 2010 winkte der Bundesrat eine Verordnung des Bundesumweltministeriums durch und machte damit für das Benzin E 10 ab 1. Januar den Weg frei. Der neue Kraftstoff wird aufgrund einer EU-Richtlinie eingeführt. Er soll helfen, die Klimaschutzziele zu erreichen und die Abhängigkeit vom Öl verringern.

In der Abkürzung E 10 steht "E" für Ethanol, einem Biokraftstoff, der umgangssprachlich auch als Alkohol bezeichnet wird. Die "10" gibt an, dass 10 Prozent Ethanol dem Benzin beigemengt ist - eine Mischung, die für rund 90 Prozent aller zugelassenen Pkw zu hochprozentig sein könnte. Der ADAC rät daher, die Verträglichkeit des Biosprits abzuklären und warnt vor irreparablen Schäden. Als gefährdet gelten Motorteile aus Aluminium sowie ethanolunverträgliche Kunststoffdichtungen oder Schläuche. Werden Leitungen porös, kann sich Benzin an heißen Motorenteilen entzünden. "Insbesondere die durch das Ethanol ausgelöste Aluminiumkorrosion ist problematisch, weil selbst ein einmaliger falscher Tankvorgang die Korrosion herbeiführen kann", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer.

Für viele ein erschreckender Gedanke, der zu Unsicherheit an der Zapfsäule führen kann. Maurer sieht es weniger dramatisch: "Man kann sich relativ leicht Gewissheit verschaffen, ob das Auto E 10 verträgt." Zum Beispiel im Internet beim ADAC oder bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT), beim Händler oder beim Hersteller. Rund 3,5 Millionen Autos vertragen den neuen Sprit nicht, bei Marken wie Audi, Ford, Opel, VW oder BMW sind abhängig vom Baujahr fast alle Modelle E 10-tauglich, bei Mercedes fast alle nach 1991 produzierte Wagen. Allerdings können auch neuere Pkw allergisch auf E 10 reagieren, mitunter sind die Kalenderwochen des Produktionszeitraums entscheidend, so zum Beispiel bei einigen 2004er- und 2005er-Ausführungen des VW Golf V.

Wer sein Auto oder Motorrad falsch betankt, sollte sofort den Finger vom Abzug der Zapfpistole nehmen, seinen Wagen stehen und abpumpen lassen. Autos mit E 10-Unverträglichkeit können weiter mit dem alten Kraftstoff mit fünfprozentigem Ethanol-Gehalt betankt werden, den die Tankstellenbetreiber in Deutschland auf unbefristete Zeit weiter anbieten müssen.

Starke Verunsicherung

Schon seit drei Wochen spürt Klaus Pfannstiel, Betreiber einer Avia-Tankstelle in Breitungen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen), eine starke Verunsicherung bei seinen Kunden. "Seit Mitte Dezember wird verstärkt nachgefragt, zwei- bis dreimal am Tag. Die Leute sehen das neue Benzin sehr kritisch, besonders ältere Leute sind skeptisch", sagt er. Der Bio-Sprit - ein Schreckgespenst - das derzeit aber noch nirgendwo erhältlich ist. Frühestens im Februar werde es den neuen Kraftstoff geben, verkündete der Mineralölwirtschaftsverband. Große Tankstellenketten wie Aral haben angekündigt, im Laufe des ersten Quartals mit E 10 an den Start zu gehen. "Wann genau, kann ich noch nicht sagen", hält sich Aral-Sprecher Detlef Brandenburg bedeckt.

Vertreter von Tankstellen- und Mineralölverbänden verweisen auf die kurze Vorlaufzeit der Politik und den Umfang der Umstellung. "Das ganze System muss geändert werden. So schnell funktioniert das nicht", sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes (ZGT). Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft), geht davon aus, dass es ab März für die Mitglieder "ernst" wird. An einigen der rund 14 000 Tankstellen in Deutschland dürfte es sogar erst Mitte des Jahres soweit sein.

In den Erdölraffinerien, die den Kraftstoff nach DIN-Normen mischen, muss zunächst ein auf 10 Prozent Ethanol abgestimmter Grundkraftstoff erzeugt werden, dem dann der Alkohol beigemischt wird. Auch die Lagerung, Handhabung und Lieferung des problematischen Biokraftstoffes und des Ethanols will vorab geregelt sein. Bft-Chef Zieger schätzt, dass die Raffinerien warten könnten, bis Ende März ohnehin vom frostresistenteren Winterbenzin auf die "Sommerware" umgestellt wird. An den Tankstellen müssen zudem Zapfsäulen und Preismasten mit "Super E 10" neu beschriftet, Kassensysteme angepasst, Tanklager geleert und eventuell neu verrohrt werden.

Ist die Umstellung vollzogen, wird es "interessant", wie der Kunde reagiert, sagt Karin Retzlaff, des Mineralölwirtschaftsverbandes, ob er zum neuen Bio-Benzin greift. Sie ist da eher skeptisch. "Das Auto ist des deutschen Lieblingskind, da geht man kein Risiko ein", sagt Retzlaff, die vermutet, dass der alte E 5-Kraftstoff bevorzugt wird. Für Stephan Zieger alles eine Frage der Zeit - und des Preises: "Das ist ungefähr so kompliziert wie die Einführung der fünfstelligen Postleitzahl." Er vermutet, dass beim ersten Tanken vielleicht noch das alte Benzin gewählt wird, beim zweiten oder dritten Tankgang aber E 10, "wenn man sieht, dass das andere Produkt günstiger ist". Zieger meint: E 10 wird das neue Massenprodukt - und das Massenprodukt sei immer das günstigere. "Tanken geht immer über den Geldbeutel", betont Zieger.

Eine Frage des Preises

Die entscheidende Frage dürfte sein, wie sich die Preise des neuen E 10 zum alten E 5 verhalten. E 10 ist in der Herstellung nur geringfügig teurer, weil Ethanol mehr kostet als fossiles Benzin. Zu befürchten ist auch eine Weitergabe der Umstellungskosten an die Verbraucher. Mineralölkonzerne müssen jedoch eine Biokraftstoffquote von 6,25 Prozent erfüllen, die sie ohne E 10 nicht erreichen würden. Wird die Quote unterschritten, drohen empfindliche Strafzahlungen.

Der Verkauf der neuen Sorte könnte, so vermutet der ADAC, mit Preisvorteilen beworben werden. "Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der E 10-Preis wird künstlich niedrig gehalten oder der alte E 5-Kraftstoff wird verteuert. Dreimal darf man raten, was passiert", mutmaßt ADAC-Sprecher Maurer. Er könnte mit seiner Vermutung richtig liegen, denn mit dem Lamentieren über die kostenintensive Einspeiseregelung von E 10 scheint die Mineralölbranche, ähnlich wie die Stromwirtschaft mit der Ökoenergie, bereits den Nährboden für künftige Preiserhöhungen zu pflügen.

Der Breitunger Tankstellenbetreiber Klaus Pfannstiel will voraussichtlich Mitte des Jahres auf E 10 umstellen. "Ich sehe das ganze gelassen. Ich mache das schon seit 20 Jahren und habe in der Zeit schon genug Änderungen mitgemacht."

Quelle: Freies Wort - Christopher Eichler

 
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