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Schmalkalden - Kinderbetreuung bis in die Puppen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: René Killenberg   
Freitag, den 09. Mai 2008 um 08:48 Uhr

topthemaEine Kita in Schmalkalden wartet mit außergewöhnlichen Öffnungszeiten auf

Wenn sich manch ein Schmalkalder am Morgen im Bett nochmal umdreht, brennt im Kinderland „Grenzweg“ schon Licht. Und aus geht es meist erst dann, wenn die 20-Uhr-Tagesschau in die Wohnstuben kommt. Ab 5.30 Uhr schließt das Haus seit Januar seine Türen auf und – bei Bedarf – erst nach vierzehneinhalb Stunden wieder zu.

„Wir wollen uns immer mehr als familienfreundliche Stadt profilieren“, sagt Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski. Und dazu gehöre auch, dass nicht nur genügend Plätze für die Betreuung der Jüngsten vorhanden sind, sondern auch die Eltern die Chance hätten, einer Arbeit oder dem Studium an der Fachhochschule nachzugehen. Aus diesen Richtungen kam der Anstoß, sich den Erfordernissen anzupassen. „Wenn ein Unternehmen um sechs Uhr mit der Schicht beginnt, kann die Mutti nicht zur gleichen Zeit ihren Sprößling im Kindergarten abgeben und pünktlich sein. Das passte einfach alles nicht zusammen“, so das Stadtoberhaupt.

Zwar habe es die Bereitschaft der Erzieherinnen gegeben, ein paar Minuten früher zu öffnen und den Eltern entgegen zu kommen, doch man hielt die Zeit für gekommen, die Sache offiziell zu machen.

„Bei dem Lohngefüge hierzulande können es sich viele Familien nicht aussuchen. Mit einem Gehalt kommen die wenigsten aus. Froh sind deshalb viele Eltern, wenn beide Arbeit haben und dem müssen wir Rechnung tragen“, sagt Kaminski. Er weiß aber auch, dass außergewöhnliche Zeiten für Kindergartenbesuche nicht unumstritten sind. „Wenn wir vierzehneinhalb Stunden geöffnet haben, heißt das nicht, dass die Kinder auch so lange dort sind“. Zehn Stunden gelten als ungeschriebene Obergrenze. „Wir haben ein Angebot über diesen langen Zeitraum und genau das ist wichtig für Eltern.“ Sie müssen nicht mehr schweißgebadet nach Dienstschluss durch die Stadt hetzen, um ihr Kind kurz vor Toresschluss abzuholen. Zudem: Die Kinder, die abends länger bleiben, werden meist erst mittags gebracht. In der Regel schließen im Lande die 1349 Kindertagesstätten zwischen 17 und 18 Uhr. „Die Schmalkalder Einrichtung gehört schon zu den Ausnahmen in Thüringen“, bestätigt Detlef Baer, der Sprecher des Thüringer Kultusministeriums. Nur eine Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt, in die auch die Mädchen und Jungen der Erfurter IKEA-Mitarbeiter gehen, scheint das noch zu toppen. Sie hat bis 21 Uhr geöffnet.

Im Kinderland Grenzweg sind es seit Januar elf Kinder, deren Eltern die langen Öffnungszeiten in Anspruch nehmen. Tendenz steigend. Doch man hat einen Riegel vorgeschoben: Per Bescheinigung durch den Betrieb oder die Studieneinrichtung müssen die Väter und Mütter belegen, dass sie in den Abendstunden arbeiten müssen. Aus dem Pflegebereich und dem Handel, vom Nahrungsproduzenten oder den Werkzeug- und Kunststoffbetrieben liegen heute schon die Schreiben vor. In vielen Bereichen wird in Schichten gearbeitet. „Oftmals werden die Kinder von Opa und Oma abgeholt und betreut. Aber nicht jede Familie hat solch eine Hilfe bei der Hand“, weiß Susan Henning, die Leiterin der Einrichtung. Und so wird das Kinderland – ganz im Rhythmus wie die Schichten der Eltern wechseln – je nach Anmeldung mal bis 20 Uhr geöffnet und mal nicht. Für Kinder ab zwei Jahren sind 67 Euro im Monat zu berappen, das Essengeld kommt noch hinzu. Für die abendlichen Sonderkonditionen muss kein Cent mehr gezahlt werden. Ab einem Jahr kann man die Einrichtung aufsuchen (77 Euro im Monat).

Das Kinderland Grenzweg selbst – Schmalkalden hat drei kommunale Kindergärten in der Stadt und einen auf dem Lande sowie zwei kirchliche Einrichtungen – ist bestens ausgestattet mit Sauna, einem Becken zum Wassertreten, einer Ruheoase und einem großen Sportraum. Hier gehören die fünf Säulen der Kneippschen Lehre zum Alltag.

Doch nicht allein die Öffnungszeiten sollen Schmalkaldens Familienfreundlichkeit ausmachen. Seit Anfang des Jahres überreicht die Stadt jedem Neugeborenen Gutscheine in Wert von 200 Euro als Starthilfe – für Babynahrung, Kleidung oder Windeln.

Zudem wird darüber nachgedacht, jungen Familien ein Baukindergeld über 4000 Euro zu schenken, um das Hierbleiben in der Fachwerkstadt zu versüßen.

Quelle: Freies Wort + STZ - ana

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Oktober 2008 um 12:01 Uhr
 
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